Gesundheit

„Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund!“ war wohl der meist geäußerte Wunsch der letzten zwei Jahre, denn Corona hat uns auf schmerzhafte Weise die große Bedeutung von Gesundheit für unser Leben und die zentralen Schwächen unseres Gesundheitssystems aufgezeigt. Gesundheitspolitik betrifft uns alle und wird in der nächsten Legislaturperiode großen Raum einnehmen:

Der Fachkräftemangel in allen Berufsgruppen des Gesundheitswesens zwingt uns zum Handeln: Wir fördern Ausbildungs- und Studieninitiativen, indem wir mindestens 200 zusätzliche Medizinstudienplätze schaffen, für alle Gesundheitsberufe das Schulgeld abschaffen und eine Ausbilungsvergütung fordern. Mit Ausbildungsverbünden können auch kleinere Pflege- und Rehabilitationseinrichtungen und private Pflegeschulen zur Ausbildung von Personal beitragen. Wir setzen außerdem uns für die zügige Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen und die dafür notwendigen Qualifizierungsmaßnahmen ein. Krippen und Kitas müssen direkt an Krankenhäuser und Versorgungszentren angeschlossen werden. Berufsaussteiger:innen wollen wir durch Maßnahmen wie Gesundheitssport, Burn-out-Prophylaxen und Team-Supervisionen zurückgewinnen. Wir sorgen für die spürbare Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, indem wir Physician Assisstants, Community Health Nurses und nichtärztliche Heilberufe stärken, um sie stärker in die gesundheitliche Primärversorgung einbinden zu können. Physician Assistants zum Beispiel können die durch den Ärzt:innenmangel angespannte Situation entlasten, weil sie viele delegierbare Aufgaben übernehmen können. Ich möchte unbedingt neue Versorgungsformen wie das Case-Management in der Pflege und der psychotherapeutischen Betreuung etablieren. Gerne verweise ich auf dieses tolle und deutschlandweit einzigartige Konzept in der Grafschaft Bentheim und im Emsland! https://www.rekopflege.de/

Mit der Weiterentwicklung der niedersächsischen Gesundheitsregionen zur regionalen Vernetzung der ambulanten, stationären und pflegerischen Angebote werden wir Probleme gezielt lösen und die Gesundheitsversorgung vor Ort verbessern: Insbesondere im ländlichen Raum wollen wir ambulante, stationäre und postsationäre Leistungerbringer zusammenschließen und mit Reha-Einrichtungen, Apotheken und anderen Gesundheitseinrichtungen in integrierten Versorungszentren in öffentlicher Hand zusammenbringen. Patient:innen haben so das ganze Versorgungsangebot unter einem Dach. Das interdisziplinäre Team der Beschäftigten arbeitet im Angestelltenverhältnis, das bedeutet im Vergleich zur Führung einer selbstständigen Praxis familienfreundliche Arbeitszeiten und deutlich weniger Stress.

Eine Reform der Notfallversorgung ist notwendig, um die Zusammenarbeit und Aufgabenverteilung zwischen hausärztlichem Notdienst, zentraler Notfallaufnahme im Krankenhaus und dem Rettungsdienst zu verbessern und für Patient:innen verständlich zu machen. In mindestens acht Versorgungsregionen planen wir ein Angebot mit differenzierten Versorungsstufen. In jeder Region soll es neben Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung (hierzu soll künftig auch die Geburtshilfe zählen) mindestens ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung geben. Krankenhäuser dürfen nicht gewinnorientiert arbeiten. Die Bausubstanz der Kliniken zerfällt, es haben sich notwendige Investitionen von mehr als 2 Milliarden Euro angestaut. Durch einen Investitionsschub über den Niedersachsenfond und eine Verdoppelung der Pauschalförderung beenden wir mittelfristig und nachhaltig die chronische Unterfinanzierung. Erfolgreiche Modellprojekte wie Gemeindenotfallsanitäter:innen und mobile Ersthelfer:innen wollen wir flächendeckend ausweiten.

Zur Notfallversorgung gehört auch die schnelle Hilfe für Menschen mit psychischer Erkrankung. Wir setzen die Empfehlungen des Landespsychiatrieplans um: den Ausbau der ambulanten psychosozialen und psychiatrischen Krisenhilfe, die Verkürzung von Wartezeiten zur ambulanten Behandlung und die Reduktion von Zwangseinweisungen. Eine große Chance sehe ich hier vor allem im Ausbau des Case-Managements und der regionale Versorgungszentren, beides wird Prozesse für Betroffene deutlich schneller und einfacher gestalten. Auch im psychotherapeutischen Bereich können Fachkräfte aus dem Bereich der Sozialarbeit wirkungsvoll eingesetzt werden und unterstützen. Bei Kindern und Jugendlichen verbessern wir Prävention, Früherkennung und Frühintervention strukturell und bauen dringend notwendige Behandlungsplätze aus.

Die Coronapandemie hat gezeigt, wie wichtig der öffentliche Gesundheitsdienst für uns alle ist, auch er muss weiter gestärkt werden. Digitalisierung (Robotik, Telemedizin, die elektronische Patientenakte, altersgerechte Assistenzsysteme) und eine gute personale Ausstattung sind notwendig, um Prävention und Gesundheitsförderung für Menschen in allen Lebenswelten voranzubringen.

Gesundheitsversorgung und –förderung ist immer auch Aufgabe für viele andere politische Handlungsfelder, denn Gesundheit ist nicht allein das Ergebnis einer hochwertigen, schnellen und niedrigschwelligen medizinischen Versorgung. Sie resultiert auch aus den konkreten Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen. Unsere Gesundheit hängt zum großen Teil von unserem Lebensstil ab und ist deshalb auch eine Frage der Bildung (z.B. Aufklärung über gesunde Ernährung) und der Kaufkraft (z.B. für hochwertige Nahrungsmittel). Für unser Wohlbefinden ist auch wichtig, wie Bildungsorte, Schulen und Hochschulen ausgestattet sind, welche Beratungsangebote es für psychosoziale Notlagen gibt, wie der Wohnungsnot begegnet wird oder wie unser Wohnort unsere Naherholung ermöglicht. Insbesondere in diesen psychosozialen Aspekt von Gesundheit kann ich als Landespolitikerin mit langjähriger Erfahrung im Bildungsbereich meine Erfahrungen und meine Expertise einbringen.

  • Weitere wichtige Punkte unseres Wahlprogramms:
  • Wir setzen auf ein gezieltes Gesundheitsmonitoring (Befragungen von Patient:innen, die Versorgungsprobleme und Zufriedenseit aus der Sicht der Bürger:innen ermitteln) und kommunale Gesundheits- und Pflegekonferenzen (runder Tisch, an dem Menschen aus den unterschiedlichen medizinischen Berufen zusammekommen, um Bedarfe zu ermitteln und sich gegenseitig zu unterstützen).
  • Wir wollen die Gelder aus dem Präventionsgesetz in einer Landesstiftung Prävention bündeln.
  • Wir unterstützen die kommunale Gesundheitsberatung z.B. in Form von Gesundheitskiosken – einer niedrigschwelligen Erstanlaufstelle bei gesundheitlichen Problemen.
  • Wir wollen eine Bevorratung mit Schutzausrüstung, ein gestuftes Notfallversorgungskonzept und Kapazitäten zur kurfristigen Intensivversorgung schaffen, um uns pandemiefest aufzustellen. Außerdem fordern wir Abwasseruntersuchungen auf Covid-Viren als zuverlässiges Instrument für die Prognose der Pandemieentwicklung.

Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund!

Foto: Gerold Mepplink